Biogas aus der Blumenwiese

Was sich derzeit als kleines grünes Pflänzchen auf deutschen Äckern gen Himmel reckt, zeigt sich schon bald in seiner vollen Größe – Mais. Das Land wird immer mehr zu Maiswüste. Waren es im Jahr 2005 nur 1,7 Millionen Hektar, auf denen Mais angebaut wurden, erstreckten sich die Pflanzen im Jahr 2011 schon auf einer Fläche von 2,5 Millionen Hektar. Tendenz steigend, denn für die Stromproduktion aus Biogas gibt es attraktive staatliche Förderungen und Mais gilt als hervorragende Energiepflanze.

Biogasanlagen und Maisfelder scheinen zusammenzugehören wie Pech und Schwefel. Nicht besonders gut fürs Image der Biogasbranche, denn die Vermaisung ruft viele Kritiker auf den Plan: Monokultur, ausgelaugte Böden, hoher Chemieeinsatz, bienenunfreundlich, gewaltige Flächenverdrängung. Und dennoch wird dem Mais der Vorzug gegeben, wenn es um die Fütterung der rund 7.100 Biogasanlagen hierzulande geht. Dabei geht es auch anders, wie das Versuchsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) zeigt.

Schon im Jahr 2009 wurden die ersten Versuchfelder angelegt auf denen sich das neue Biogasanlagen-Futter beweisen sollte. Eine bunte Saatgutmischung aus 25 Wildblumen, die zusammen mit der Firma Saaten Zeller entwickelt wurde. Die anfänglich 25 Hektar wurden im Jahr 2011 auf 200 Hektar ausgeweitet, auf denen jetzt keine Mais, sondern Malve, Eibisch, Wilde Möhre und Co. sprießen. Zwar liegen die Erträge einer solchen Blumenwiese im Vergleich zum Referenzertrag Mais bei „nur“ 50 bis 70 Prozent, dennoch ist die Saatgutmischung dem Mais aus wirtschaftlicher Sicht durchaus ebenbürtig. Die Ausbeute pro Hektar Blumenwiese ist zwar geringer, als die vom Mais, dafür lässt sich bei der Gestehung einiges Sparen. Einmal gesät lässt sich die Wiese ohne Nachsaat fünf Jahre lang ernten, ebenso ist keine Agrochemie nötig, Dünge- und Spritzmittel entfallen also.

Ein Umstand, über den sich Biogasbetreiber freuen dürften, denn die Pflanzen kommen nicht nur ohne chemische Keule aus, sie lassen sich auch gut ernten und vergären. Ebenfalls über die Energiepflanze freuen dürfte sich auch die Umwelt. Aus ökologischer Sicht bringt die Blumenmischung nämlich etliche Vorteile. Die Artenvielfalt wird durch das breite Angebot an unterschiedlichen Blumen gefördert, Bienen und diverse andere Wildtiere finden neben einem reich gedeckten Tisch auch einen idealen Rückzugsraum. Durch den Verzicht auf die chemische Keule werden zudem Boden und Grundwasser geschützt und der verminderte Maschineneinsatz trägt dazu bei, dass sich die Böden nicht so stark verdichten. Und nicht zuletzt wird auch das Landschaftsbild beträchtlich positiv beeinflusst: Lieber eine Blumenwüste, als eine Maiswüste.

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